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Humboldt-Universität zu Berlin - bologna.lab - Neue Lehre. Neues Lernen

Mobiles Berlin, eisige Glieder

Studierende am Ernst-Reuter-PlatzDie These, dass die Ideen von Mobilität unmittelbar in Bauwerken ablesbar sind, dass also dem Immobilen stets etwas Mobiles eingeschrieben ist, begleitete ein Semester lang die Teilnehmenden des Seminars „Dynamische Stadt“. Unter der Leitung von Frank Seehausen, der als Kunsthistoriker und Architekt sowohl einen Bogen zwischen den Disziplinen als auch zwischen Theorie und Praxis spannt, beschäftigten sich die Studierenden anhand von Textanalysen sowie Diskussionen historischer Stadtpläne und Bauskizzen vor allem mit dem Auto als Architekten der Stadt. Abschluss und gleichzeitig Höhepunkt des Semesters war eine dreitägige Exkursion gemeinsam mit Studierenden der TU Braunschweig, die mit einer Spurensuche durch den Westen Berlins nach der vom Automobil geprägten Baukultur der Nachkriegsmoderne endete.

Bereits am Startpunkt, dem Ernst-Reuter-Platz, zeigten sich die Beziehungen von automobiler Bewegung, architektonischer Form und soziokulturellen Implikationen, die von den Studierenden auch beim Zwischenhalt im nicht weit entfernten Hansaviertel ausgemacht werden konnten. Zur Internationalen Bauausstellung Interbau wurden dort 1957 zeitgemäße Wohnbauten entworfen, die sich von damaligen Ost-Berliner Bauprojekten sowie den politischen Entwicklungen im Ostteil der Stadt abgrenzen sollten. Wurde hier der Autoverkehr geschickt über die großzügig ausgebaute Altonaer Straße durch das Quartier geleitet, sollte die Verkehrskanzel am Kurfürstendamm – eine weitere Station der Exkursion – einen auffälligen Blickfang darstellen, der als Entree zu der traditionellen Flaniermeile in der City West diente. Zum Schluss machte sich die Gruppe auf den Weg in den Norden Berlins ins Märkische Viertel, wo sich wie an kaum einem anderen Ort in Berlin Sozialpolitik, Schaffung und Gestaltung von Wohnraum sowie innerstädtische Mobilitätskonzepte überschneiden.

Das Spektrum der im Seminar behandelten Themen konnte während der Exkursion nochmals erweitert werden und die Studierenden hatten die Möglichkeit, ihren geschärften Blick für das Zusammenspiel von Raum, Bewegung und Identität direkt am Objekt zu erproben. Trotz der Minusgrade im eisigen Januar Berlins zeigten sich die Studierenden von der Gelegenheit begeistert, neue Perspektiven auf altbekannte Berliner Bauwerke kennenzulernen, diese mit der Kamera festzuhalten und mit Expert_innen unterschiedlicher Disziplinen zu diskutieren.

 

Studeirende während der ExkursionDer Dozent erklärkt den Studierenden etwas.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Andrea Riedel