Guardini Professur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2016/2017

 

Prof. Dr. Ugo Perone

De amicitia - Konzepte der Freundschaft als Vorzeichen des Wahren

Vorlesung, Di 16-18 Uhr, Raum 013 in der Theologischen Fakultät

Philosophia, die Liebe zur Weisheit, enthält bereits in ihrem Namen einen impliziten Bezug zur Freundschaft (philia). Dieser oftmals vernachlässigte Aspekt steht im Fokus der Vorlesung, in der es darum gehen soll, diesen Bezug anhand ausgewählter Denker vorzustellen, um ihn in Beziehung zu setzen zum Begriff der Wahrheit. Dabei wird uns die Frage beschäftigen, inwiefern sich eine Beziehung herausarbeiten lässt zwischen Wahrheit, Philosophie und Freundschaft: Ist die Freundschaft die Vorbedingung für Philosophie und Wahrheit, und wenn ja, wie drückt sich dies aus? Oder andersherum: Ist eine gemeinsame Gesinnung eine notwendige Voraussetzung für eine Freundschaft? Lässt sich feiern ohne eine gewisse Gemeinsamkeit? Kann eine politische Gesellschaft überhaupt bestehen ohne die Anerkennung einer fraternité? Lässt sich der Begriff Freundschaft theologisch auf den Begriff „Reich Gottes“ anwenden? Ist die Freundschaft allzu sehr in der Moderne ein Ausdruck einer Rückkehr in das Private?

Hierzu werden wir uns u.a. folgenden Autoren widmen: Platon, Aristoteles, Cicero, Montaigne, Schiller, Derrida. Ausgewählte Texte dieser Autoren werden als Vorlage über Moodle bereitgestellt.

Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen: Walter Sparn, „Das Charisma der Freundschaft, oder: Wodurch eine Feier zum Fest werden kann“, in: Spazio filosofico, Vol. 3, 2015, hg. v. Silvia Benso, Alessandra Cislaghi, Enrico Guglielminetti und Luciana Regina, S. 359-370, in: http://www.spaziofilosofico.it/wp-content/uploads/2015/10/SPAZIOFILOSOFICO151.pdf

 

Zwischen Menschlichem und Göttlichem: die philosophisch-theologische Architektur Dante Alighieris Komödie. Eine Einführung auf den Spuren der Interpretation Romano Guardinis

Seminar, Mi 14-16 Uhr, Raum 108 in der Theologischen Fakultät

Dante wagt in seiner Göttlichen Komödie eine poetische Darstellung des Himmels und sogar Gottes. Das Leben der Menschen, ihre Leidenschaften und Sünden, die politischen Auseinandersetzungen und die Liebe für die Heimat werden Ausgangspunkt einer spirituellen Reise, die durch das Menschliche bis hin zur Reinheit des Göttlichen führt. Alle Figuren der Komödie sind Zeugen und Helfer dieses Prozesses. Einzelne Gestalten (Vergil, die Engel, Beatrice u.a.), die als Boten und Führer zwischen den Welten auftreten, stellen hierbei eine symbolische, vermittelnde Kraft dar. Denn ohne Vermittlung kann sich ein mittelalterlicher Mensch keine Rettung vorstellen.

Romano Guardini (1885-1968) hat sich zeitlebens intensiv mit Dichtung und Literatur beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit Dante Alighieri (1265-1321) nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein: Keinem anderen Dichter widmete Guardini derart viele Vorlesungen und Studien.

Im Seminar soll ausgehend von den Interpretationen Guardinis das komplexe Gedankengebäude von Dantes Göttlicher Komödie aus theologischer und philosophischer Sicht beleuchtet werden. Italienischkenntnisse sind von Vorteil, jedoch sind auch Studierende ohne Vorkenntnisse herzlich willkommen.

Literatur: Romano Guardini, Dantes Göttliche Komödie. Ihre philosophischen und religiösen Grundgedanken, aus dem Nachlass hg. v. Hans Mercker, Verlag Grünewald/Schöningh, Mainz/Paderborn, 1998. Ders., Der Engel in Dantes Göttlicher Komödie (Dante-Studien, Bd. 1), Verlag Grünewald/Schöningh, Mainz/Paderborn, 1995. Ders., Landschaft der Ewigkeit (Dante-Studien, Bd. 2), Verlag Grünewald/Schöningh, Mainz/Paderborn, 1996. Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie, Reclams Universalbibliothek, Stuttgart, 1986.

 

Dr. Silvia Richter

Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem" - Zur Frage der Banalität des Bösen und der Darstellbarkeit der Shoa

Übung, Do 16-18 Uhr, Raum 013 in der Theologischen Fakultät

Als Hannah Arendt 1961 als Korrespondentin des New Yorker nach Jerusalem fuhr, um den Prozess des ehemaligen SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann zu analysieren, ahnte niemand, welche Lawine in Israel, Deutschland und den USA ihre Texte (1963 erstmals publiziert unter dem Titel Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil) auslösen würden. Insbesondere ihr berühmtes Diktum der „Banalität des Bösen“ beschäftigt Historiker, Theologen und Politikwissenschaftler bis heute. In der Übung werden wir uns ihr Buch „Eichmann in Jerusalem“ Zeile für Zeile gemeinsam erarbeiten, ähnlich einem Lektürekurs, wobei ein besonderes Augenmerk darauf liegen wird zwei Ebenen zu unterscheiden: Was ist durch die Rezeptionsgeschichte in den Text hineingelesen bzw. interpretiert worden und was hat Hannah Arendt wirklich geschrieben? Darüber hinaus wird uns auch ganz grundlegend die Frage der Darstellbarkeit der Shoah beschäftigen.

Das Seminar versteht sich als ein Fortsetzungsseminar meines im Sommersemester gehaltenen Arendt-Seminars, jedoch sind auch neu hinzukommende Studierende ohne Vorkenntnisse herzlich willkommen. 

Die Lehrveranstaltung wird für Theologiestudierende als Übung, für Philosophiestudierende als Seminar angeboten.

Literatur: Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, 13. Aufl., Piper Verlag, München/Zürich 2016. Gary Smith (Hg.), Hannah Arendt revisited: „Eichmann in Jerusalem“ und die Folgen, Suhrkamp, Frankfurt a.M., 2000. Enzo Traverso, Auschwitz denken. Die Intellektuellen und die Shoah, aus dem Franz. v. Helmut Dahmer, Hamburger Editionen, Hamburg 2000.