Guardini Professur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte

Ringvorlesung - Ökumene einer Streitkultur? Luthers katholische Kontrahenten

 

Ringvorlesung im Wintersemester 2014/2015

 

Fragt man nach dem Verhältnis von Reformation und Katholizismus, stellt sich sofort der Begriff »Gegenreformation« ein. Doch eine solche Epochenzuschreibung – für Egon Friedell noch war sie eine legitime »Periodisierung, die man ohne allzugroße Gewaltsamkeit vornehmen« kann – ist unzureichend, denn sie unterschlägt nicht nur die Größenordnung und die Reichweite einer »katholischen Selbstreform« (Hans Joas), sondern auch die Variationsbreite der Argumente und das Differenzierungs- vermögen der katholischen Gegner Martin Luthers.

Die Zeit der Reformation war auch auf der Gegenseite keineswegs einfach ein Zeitalter des Niedergangs, der Zerrüttung oder des Rollbacks, das zwangsläufig in die dunkle Epoche des Konfessionenhasses führte. Vielmehr handelte es sich in vielfältiger Hinsicht auch um eine Blütezeit, die das philosophische und theologische Denken außerordentlich befruchtet, zudem eine Erneuerungsdynamik in Gang gesetzt und darüber hinaus einen großen Reichtum an künstlerischen Zeugnissen hervorgebracht hat.

Eine RINGVORLESUNG der GUARDINI PROFESSUR in zwei Zyklen (WS 2014/15 und 2015/16) beschäftigt sich mit den wichtigsten Protagonisten auf katholischer Seite, die bisher in dieser Systematik nur wenig beachtet wurden – angefangen von Erasmus über Thomas Morus oder Ignatius von Loyola bis hin zu Granvella und Karl V.. Es geht dabei aber auch um die durchaus wechselvolle kulturgeschichtliche Fernwirkung jener Auseinandersetzung mit Luther und der Reformation (z. B. mit Blick auf Aufklärung, Idealismus, Romantik).

Es sollen die z.T. aus dieser frühen Neuzeit resultierenden – oft in grober Verzerrung fortbestehenden - gegenseitigen Identitätszuschreibungen mit aktuellen zeitdiagnostischen Erkenntnissen, Wertvorstellungen bzw. heutiger Alltagsmoral sowie deren medialer Resonanz konfrontiert werden (vgl. »protestantische Wirtschaftsethik«, »Latinität vs. germanische Dominanz«). Neben den großen Theologen und kirchlichen Gestalten werden auch Institutionen wie die Fakultäten Löwen und Köln, Orden wie die Dominikaner und die Jesuiten, Ereignisse wie das Trienter Konzil sowie »Publikationsoffensiven« wie der Catechismus Romanus in die Betrachtung einbezogen.

 

Hier finden Sie den Flyer zur Ringvorlesung.

 

Termine

3. November 2014 
Kurt Kardinal Koch  
Ut unum sint – Wege zur Einheit nach der Kirchenspaltung

10. November 2014
Prof. Dr. Michele Cassese | Università degli Studi die Trieste
Girolamo Seripando und das Konzil von Trient – ein Kirchenreformer in der Reformationsdebatte

17. November 2014 

Prof. Dr. Peter Walter| Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Johannes Eck – vom Humanisten zum Kontroverstheologen

24. November 2014

Prof. DDr. Mariano Delgado | Universität Fribourg
Bartolomé Carranza – oder Luther als Damokles-Schwert in Spanien des 16. Jahrhunderts

1. Dezember 2014

Dr. Stefania Salvadori | Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Erasmus und die christliche Concordia im Zeitalter der Reformation

12. Januar 2015

Dr. Paul Oberholzer SJ | Universität Fribourg
Diego Lainez – Nachfolger von Ignatius von Loyola

19. Januar 2015 

Prof. Dr. Martin Ohst | Bergische Universität Wuppertal
Gasparo Contarini – ein Reformer angesichts der Reformation

 

Veranstaltungsort

Humboldt-Universität zu Berlin

Senatssaal
Unter den Linden 6
10099 Berlin 

 

Beginn jeweils 19 Uhr s.t.

 

Konzeption der Ringvorlesung:

Prof. Dr. Ugo Perone 
Guardini Professur für Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung 

Prof. Dr. Notger Slenczka
Professur für Systematische Theologie 

Prof. Dr. Dorothea Wendebourg
Professur für Kirchengeschichte mit Schwerpunkt Mittlere und Neuere Kirchengeschichte und Reformationsgeschichte