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Humboldt-Universität zu Berlin - bologna.lab - Neue Lehre. Neues Lernen

Popliteratur. Autorschaft – Textverfahren – Institutionen

Unterrichtet von Katharina Kreuzpaintner

Mittwoch 10:00-12:00, Hausvogteiplatz 5-7, Raum 0323-26

Kurs findet auf Deutsch und Englisch statt

Sprachliche Voraussetzungen: Englisch B2, Deutsch B1

Syllabus

Kursbeschreibung

Pop ist „alles was knallt“. So beschreibt der Literaturwissenschaftler Jost Hermand das 1971 noch
relativ neue ästhetische und kulturelle Phänomen treffend, wenn auch nicht unbedingt wohlwollend.
Einerseits ‚knallt‘ Pop deswegen, weil in seinem Namen die
elitären Bastionen bürgerlicher Hochkultur gesprengt werden sollen und das kapitalistisch geprägte
Alltagsgeschehen fortan in den Fokus künstlerischer Arbeiten gerückt wird. Knallig ist Pop
andererseits aber auch, weil dies vor allem eine Auseinandersetzung mit bunten und auffälligen
Oberflächen impliziert. Dies wiederum bringt der Popkultur den Vorwurf ein, gänzlich entpolitisiert
den kapitalistischen Normalvollzug nur noch zu affirmieren, anstatt ihn zu kritisieren – also selbst
oberflächlich zu sein.
In Deutschland wird der Popkultur vor allem in den neunziger Jahren und hier speziell über das
Label ‚Popliteratur‘ zuerst in den Feuilletons und in der Folge auch von der Literaturwissenschaft
einige Aufmerksamkeit gewidmet. Das Seminar wird sich mit der in dieser Zeit entstandenen
Literatur beschäftigen, diese aber auch im Bezug auf ihre markanten Weichenstellungen im
deutschsprachigen Diskurs untersuchen, sowie die Entwicklung popkultureller Schreibweisen bis in
die Gegenwart hinein verfolgen. Auch wenn die behandelten Texte auf den ersten Blick eher
disparat erscheinen, soll durch die Auseinandersetzung mit Konzeptionen von Autorschaft,
Textverfahren und maßgeblichen Institutionen diskutiert werden, wie genau sich das Phänomen der
Popliteratur konstituiert und was dabei auf dem Spiel steht.
Gerade für Austauschstudierende, die sich mit gegenwärtigen theoretischen und kulturellen
Debatten in Deutschland und Berlin beschäftigen wollen, kann das Seminar auch über das Thema
Popliteratur hinaus von Interesse sein. Vertreter_innen der Popliteratur prägen – auch abseits ihrer
schriftstellerischen Tätigkeit – bis heute das intellektuelle und kulturelle Geschehen, sei es als
Journalist_innen, DJ_anes, als Ausstellungskurator_innen, bei Lesungen oder als Moderator_innen
im Fernsehen. 
 
Seminarsprachen sind Englisch und Deutsch. Weil die Primärliteratur auf Deutsch gelesen wird,
sind ausreichende Sprachkenntnisse (etwa auf dem Niveau B1) jedoch Voraussetzung. Als
Studienleistung ist während des Semesters ein Thesenpapier zu einer Sitzung vorzubereiten.
Abgeschlossen wird das Seminar mit einer Hausarbeit. Die schriftlichen Leistungen können nach
Absprache auf Englisch erbracht werden.

Literatur

  • Hecken, Thomas: Pop. Geschichte eines Konzepts 1955-2009, Bielefeld 2009. 
  • Hermand, Jost: Pop international. Eine kritische Analyse, Frankfurt a. M, 1971. 
  • Stahl, Enno: Diskurspogo. Über Literatur und Gesellschaft, Berlin 2013, 123-186.