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Humboldt-Universität zu Berlin - bologna.lab - Neue Lehre. Neues Lernen

Weltbühne Berlin. Der Goldenen Zwanziger.

unterrichtet von Johannes Kreimeier

Donnerstag 14:00-16:00 Uhr, Hausvogteiplatz 5-7, Raum 0323

Kurs findet auf Deutsch und Englisch statt

Sprachliche Voraussetzungen: Deutsch B1/Englisch B2

 

Kursbeschreibung

Mit dem Groß-Berlin-Gesetz wurde Berlin 1920 über Nacht zur drittgrößten Stadt der Welt.Wenn es sich dabei auch zuerst um einen administrativen Akt handelte, so befeuerte er doch Berlins Entwicklung zu einer vielbeachteten und vielbesuchten Weltstadt, die in den folgenden Jahren, vor allem auf künstlerischem Gebiet, in weiten Teilen eine Sonderstellung und Avantgarderolle einnehmen sollte. In diesem Seminar sollen die wichtigsten Momente der kulturellen, künstlerischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen im Berlin der Weimarer Republik herausgestellt und diskutiert werden. Zeitlich erfolgt eine Dreiteilung der Epoche in die von wirtschaftlicher Not und politischen Unruhen gekennzeichnete Anfangszeit von 1918-1923, die Zeit der kulturellen Blüte in den im Prinzip auf die Jahre 1924 bis 1929 zu begrenzenden „Goldenen Zwanzigern“ und schließlich die wiederum unruhigen, auf das Ende der Demokratie hinauslaufenden Jahre 1929 bis 1933. Wenn man die Jahre der Hyperinflation 1923 und des Börsencrashs 1929 als Wendepunkte ansieht, so rückt die Verflechtung der wirtschaftlichen Entwicklung mit dem sozialen und kulturellen Leben in den Vordergrund. Interessant hierbei sind die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten der Wirtschaftskrise sowohl als Hemmnis wie auch als Stimulans künstlerischer Kreativität. So konnte gerade die Hyperinflation, die jeden Sparversuch unmöglich machte, auch zu einer Konzentration auf das Jetzt führen, zu einer hedonistischen Einstellung, die einem kulturellen Leben zugutegekommen sein mag. Gleichzeitig lebte die Kultur im Berlin der 20er Jahre von der Politisierung. So kam es auch mit der Verbindung neuer Medien zur Entstehung neuer Formen von Massen-, aber auch von Subkultur, zu Agitprop, zu neuen Formen bildlicher Darstellung, des Films, des Theaters und Kabaretts. Diese wurden auch von einer Masse rezipiert, die sich selbst wiederum teils als Masse, teils als anonymisierte Individuen wahrnahm. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der gesellschaftliche Wandel, der sich insbesondere in neuen Geschlechterbildern und allgemein in neuen Formen individueller (sozialer, politischer oder sexueller) Selbstbestimmung äußerte. Wie es im Titel dieses Seminars anklingt, soll in diesem Seminar auch die zeitgenössische Rezeption dieser neuen Zeit untersucht werden. Neben den satirischen Kommentaren der Autoren der „Weltbühne“ sollen dabei verschiedene künstlerische Ausdrucksformen wie auch die zeitgenössische Diskussion derselben betrachtet werden. Durch die vielfältigen Themenbereiche und die disziplinären Überschneidungen sind in diesem Seminar viele interdisziplinäre Anknüpfungspunkte gegeben, sodass Studierende aller Fachrichtungen eingeladen sind, an diesem Seminar teilzunehmen.