Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - bologna.lab - Neue Lehre. Neues Lernen

Hearing Berlin's Diversity / Berlins hörbare Vielfalt

Taught by Nina Graeff

Tuesday, 10:00 - 12:00, Hausvogteiplatz 5-7, Room 0323-26

Course taught in English (with parts in German, depending on language level)

 

Zusammenfassung

Berlin, gefeiert zu seinem 775. Jubiläum als "Stadt der Vielfalt", drückt seine Multikulturalität nicht nur durch Gesichter, Bekleidungen, Restaurants aus, sondern auch mittels seiner Klänge. Die Klanglandschaften (soundscapes, Schafer 1969, 1977) Berlins bilden sich sicherlich aus Musiktraditionen jeweiliger Migrantengruppen, die jedes Jahr auf den Karneval der Kulturen allegorisch gefeiert bzw. vorgestellt werden. Solche Klanglandschaften gehen jedoch weit darüber hinaus, indem sich Klänge, Geräusche, Sprachen und selbst Musikpraktiken im Alltag von Musikern, Publikum, Passanten und Touristen konstant herausbilden und herauslösen.

Die klangliche und musikalische Entdeckung der Hauptstadt Deutschlands soll als Ausgangspunkt zur Erweiterung der auditiven und dadurch kultureller Wahrnehmung der Studierenden dienen. Erst durch die Begegnung des Fremdes und der Verfremdung des Eigenen erfolgen Prozesse der Entfremdung und der kulturellen Öffnung. Die Veranstaltung soll aktuelle Konzepte und Theorien über Kultur und kulturelle Vielfalt nicht nur intellektuell erschließbar machen, sondern auch praktisch – durch das Hören –, ganz im Sinne der Performance Studies.

Was bedeutet Hybridität, Multi-, Inter- und Transkulturalität in einer kosmpoliten Stadt wie Berlin? Stellen Musik- und Klangkulturen bloße Produkte menschlichen Handelns oder viel umfassendere dynamische Prozesse dar? Was sagen die Klänge Berlin über ihre Vielfalt?

 

Lernziele und Methodik

Die Lehrveranstaltung soll zur Erarbeitung von Kulturkonzepten und zur theoretischen und praktischen Einführung in die Kulturanthropologie / Musikethnologie, in die Methoden der Feldforschung sowie in aktuellen Fragen der kulturellen Vielfalt (UNESCO, 2005), Transkulturalität (Welsch 1992) und Performance Studies (Turner 1987; Schechner 1988) dienen. Vorstellungen des „Eigenen und Fremden“, von geschlossenen und fixierten kulturellen Identitäten, von Kultur als Produkten anstatt eines dynamischen Prozesses u.a. sollen anhand  kulturwissenschaftlicher Literatur sowie vielfältiger Klangerfahrungen – zu denen auch die Studierenden mit ihren eigenen Beispielen beitragen sollen – dekonstruiert werden. Zur Veranstaltung gehört eine Exkursion in den Umzug des Karneval der Kulturen der Welt am 8. Juni, wo die erlernten Methoden gemeinsam ausgeübt und diskutiert werden.

 

Anforderungen

Über die aktive Mitarbeit am Seminar hinaus können die Studierende zwischen zwei Arten der Seminarleistung (5 ECTS) auswählen:
- Ausfertigung eines kreativen Projekts basierend auf eigener Feldforschung  (Aufnahmen, Videos, Veranstaltungsskizzen, etc.) begleitet von einer Referat zur Projektvorstellung (20-30 Min) und schriftlicher Ausarbeitung (ca 3 – 5 Seiten); oder

- Referat (20-30 Min.) und Hausarbeit (8-10 Seiten).

 

Didaktik / Struktur

Die ersten Veranstaltungen führen die Studierenden in das ethnologische Musikverständnis bzw. in Schlüsselfragen der Begegnung mit kultureller Vielfalt aus der Warte der Kulturanthropologie. Bereits in der 3. Woche erfolgt eine Einleitung in die Methoden der Feldforschung, damit die Studenten im Laufe des Semesters ihre eigenen Aufnahmen und Projekte durchführen können. Somit werden sie auch für die Exkursion im Juni vorbereitet. Jede Veranstaltung beginnt mit Musik- bzw. Klangaufnahmen von Berlin, die von der Dozentin und von den Studenten gemacht werden. Nachdem die Studierenden ihre eigenen Erfahrungen und Überlegungen gesammelt haben, werden aktuelle Ansätze der Kulturforschung (Performance Studies) und des politischen Umgangs mit Kultur bzw. Kultureller Vielfalt (UNESCO) vorgestellt bzw. diskutiert.

 

Literatur

  • Aubert, Laurent. The Music of the Other. Trad. Carla Ribeiro. Farnham, Inglaterra: Ashgate, 2007.
  • Baumann, Max Peter. Musik im interkulturellen Kontext. Nordhausen: Trautgott Bautz, 2006.
  • Blacking, John. How Musical is Man?. University of Washington Press, 1973. 
  • Canclini, Nestor Garcia. Hybrid Cultures. Strategies for Entering and Leaving Modernity. Minneapolis u.a.: Univ. of Minnesota Press, 2008.
  • Clifford, James; Marcus, George. Writing Culture: The Poetics and Politics of Ethnography. Berkeley: Univ. of California Press, 1986.
  • Conquergood, Dwight. “Rethinking Ethnography: Towards a Critical Cultural Politics”, In: COMMUNICATION MONOGRAPHS 58 (Juni 1991).
  • Feld, Steven. “Ethnomusicology and Visual Communication”, In: Ethnomusicology 20/2 (Mai 1976). 293–325.
  • Fischer-Lichte, Erika. Performativität: Eine Einführung. Bielefeld: Transcript. 2012.
  • Hall, Stuart. “Who Needs ‘Identity’?, in: Identity: A Reader, ed. by Paul du Gay. London: Sage, 2000.  15–30.
  • Geertz, Clifford. The Interpretation of Culture. Selected Essays. New York: Basic Books, 1973.
  • Just, Peter. Social and Cultural Anthropology. A Very Short Introduction. Oxford Univ. Press. 2000.
  • Kirshenblatt-Gimblett, Barbara. Destination Culture: Tourism, Museums and Heritage. Berkeley u.a.: Univ. of California Press, 2005.
  • Knecht, Michi; Soysal, Levent. Plausible Vielfalt: wie der Karneval der Kulturen denkt, lernt und Kultur macht. Berlin: Schiller. 2003.
  • Kohl, Karl-Heinz. Ethnologie – die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine Einführung. München: C. H. Beck. 20123.
  • Kubik, Gerhard. “Das ‘Eigene/’ und das ‘Fremde’”, In: Rastlose Brückenbauerin. Festschrift zum 80. Geburtstag von Ilse Storb, hrsg. Ulrich J. Blomann,und Hans-Joachim Heßler. Duisburg: NonEM-Verlag. 2009.
  • Kuper, Adam. Culture: The Anthropologists' Account. Cambridge, Mass: Harvard Univ. Press, 1999.
  • Kurin, Richard. “Safeguarding Intangible Cultural Heritage in the 2003 UNESCO Convention: a critical appraisal”, in: Museum International 56/1–2 (2004). 66 -77. 
  • Merriam, Alan P. The Anthropology of Music. Northwestern Univ. Press, 1964.
  • Moebius, Stephan: Kultur. transcript, Bielefeld 2010 (2. Auflage)
  • Robben, Antonius C. G. M.; Sluka, Jeffrey A. Ethnographic Fieldwork. An Anthropological Reader. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 20122.
  • Sahlins, Marshall. “‘Sentimental Pessimism’ and Ethnographic Experience; or, Why Culture Is Not a Disappearing ‘Object.’”, In: Biographies of Scientific Objects, edited by L. Daston, 158–202. Chicago and London: University of Chicago Press, 2000.
  • Said, Edward W. Orientalism. New York: Vintage Books, 1978.
  • Schafer, R. Murray. New Soundscape. London: Universal Edition, 1969.
  • ________________. The soundscape: our sonic environment and the tuning of the world. Rochester: Destiny Books, 1993.
  • Schechner, Richard. 2004. Performance Theory. New York: Routledge Classics, 20042.
  • Schieffelin, Edward L. Problematizing Performance. In: Ritual, Performance, Media, hrsg. von Mary M. Crain und Felicia Hughes-Freeland. New York: Routledge, 1998. 194-207.
  • Titon, Jeff Todd. “Knowing Fieldwork”, In: Shadows in the Field. New Perspectives for Fieldwork in Ethnomusicology, hrsg. von Gregory Barz and Timothy J. Cooley. Oxford und New York: Oxford Univ. Press, 20082.
  • Turino, Thomas. Music as Social Life. The Politics of Participation. Oxford und New York: Oxford Univ. Press, 2008.
  • Turner, Victor. The Anthropology of Performance. New York: Sage, 1987.
  • Welsch, Wolfgang. „Transkulturalität. Lebensformen nach der Auflösung der Kulturen“. Information Philosophie 2 (May 1992). 5–20.
  • Wulf, Christoph. Anthropologie kultureller Vielfalt: Interkulturelle Bildung in Zeiten der Globalisierung. Bielefeld: Transcript. 2006.
  • UNESCO. Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes. 2003. http://unesco.de/ike-konvention.html
  • UNESCO. Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. 2005. http://www.unesco.de/konvention_kulturelle_vielfalt.html