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Humboldt-Universität zu Berlin - bologna.lab - Neue Lehre. Neues Lernen

Empires' Economy

Taught by Frank Beyersdorf

Thursday, 18:00 - 20:00, Hausvogteiplatz 5-7, Room 0323-26

Language requirements: min. English B2

Syllabus

 

Course Description

Dieser Kurs bietet einen Überblick über die deutsche Wirtschafts- und Sozialgeschichte von 1848 bis 1948. Anhand ausgewählter Berliner und anderer Fallbeispiele untersuchen wir, wie Geschäftsleute und Beamte die Flüsse von Gütern, Kapital und Arbeit auf der lokalen, nationalen, und globalen Ebene bestimmten und regulierten.

Der Kurs beginnt mit einer Untersuchung des Prozesses der Industrialisierung, der Strukturen absolutistischer Wirtschaft (Merkantilismus) seit dem späten 18. Jahrhundert überformte und schließlich ablöste. Nicht nur in den deutschen Staaten diente ein ständig wachsendes Eisenbahnnetzwerk als Motor des grenzüberschreitenden Handels, der die Ausbeutung von Kohle und Eisenerz während der ersten Phase der Schwerindustrialisierung vorantrieb. Die Betreiber von sich modernisierenden Unternehmen wurden reicher, verlangten politische Rechte und schließlich die Einheit Deutschlands. Als diese nationalliberale Bewegung nicht in der Lage war, eine Massenbewegung für die Einheit von ‚unten‘ zu initiieren, tauschte sie politischen Freiheiten gegen die Gründung eines autoritären deutschen Reiches in 1871 ein.

Diese liberal-autoritäre Koalition schuf nach der äußeren die innere Einheit, in der der innerdeutsche Markt, wenn auch unvollständig, zentralisiert wurde. Parallel zur national Integration der nationalen Wirtschaft wurde dieser Teil des sich globalisierenden Marktes. Diese doppelte Integration löste einen präzedenzlosen Boom aus und ermöglichte die zweite, chemisch-elektrische Phase der Industrialisierung. Diese erste Welle der ökonomischen Globalisierung endete, als der Weltkrieg begann. Das deutsche Militär übernahm de facto die diktatorische Kontrolle und plante die Wirtschaft, um den ersten totalen Krieg zu führen.

Nach dem Krieg litt die deutsche Wirtschaft weniger unter den durch die Alliierten auferlegten Reparationen, als vielmehr an den Nachwirkungen des kreditfinanzierten Krieges. Trotzdem gelang ab 1924 der Wirtschaft die Erholung von Hyperinflation und ein moderater Boom setzte ein. Die globale Kettenreaktion der Großen Depression brachte jedoch alle Industrienationen inklusive Deutschland in den 1930er Jahren zum Kollabieren. Nachdem die Deutschen Hitler wählten, wurde die Wirtschaft ein Werkzeug der Nazis, um den „Rassenkrieg“ in Osteuropa zu führen. Zunächst sollte sie als Planwirtschaft die Aufrüstung Deutschlands ermöglichen. Nach Beginn des Krieges wurden die eroberten Gebiete ausgeblutet, um die Eroberung Europas und den Genozid zu ermöglichen und um den Deutschen im Kernland die Auswirkungen des Krieges zu Hause zu ersparen. 

1945 eroberten schließlich die Alliierten Deutschland. Sowohl sie als auch die Deutschen selbst brachen mit ihrer Identität. Nachdem zunächst viele wünschten, einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus einzuschlagen, wählte die politische Elite zwischen Washington und Bonn die freie Marktwirtschaft. Sie gaben die Einheit Deutschlands für die Integration in das wirtschaftliche und politische System des Westblocks auf (EGKS und NATO). Dies bestärkte die Eliten in der sowjetischen Besatzungszone Einparteienherrschaft und Planwirtschaft durchzusetzen und in den Ostblock einzubinden (RWG und Warschauer Pakt). Ein Vergleich von Regulierung, Leistung und gesellschaftliche Akzeptanz beider Wirtschaftssysteme beschließt diesen Kurs. 

Wir werden das Klassenzimmer auf ganz Berlin ausweiten und Museen und Sehenswürdigkeiten besuchen und diskutieren. Am Ende des Kurses werden Studierende in der Lage sein, Kernthemen der deutschen Wirtschaftsgeschichte kritisch zu analysieren. 

 

Literature

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