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Humboldt-Universität zu Berlin - bologna.lab - Neue Lehre. Neues Lernen

Narrating the City – Berlin-Romane des 20. und 21. Jahrhunderts

Unterrichtet von/ Taught by Dr. Mareen van Marwyck

Thursday, 12:00 - 14:00, Hausvogteiplatz 5-7, Room 008

Kurs findet auf Deutsch statt/ Course taught in German

 

Kursbeschreibung

Die Stadt Berlin ist im 20. und 21. Jahrhundert immer wieder Sujet, „Protagonist“ und nicht zuletzt auch Produkt literarischer Fantasien, so dass sich mittlerweile in der Literaturkritik der Begriff „Berlin-Roman“ durchgesetzt hat, der einen eigenständigen Romantypus suggeriert.

„Narrating the City“ ist ein literaturwissenschaftliches Seminar. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern die Literarisierung der Großstadt im 20. und 21. Jahrhundert neue narrative Verfahren, neue Wahrnehmungsformen und Begriffe von Subjektivität hervorbringt und inwiefern diese als spezifisch modern bzw. postmodern zu betrachten sind. Hierfür setzen wir uns mit theoretischen Texten zu den Themen Urbanität und Moderne auseinander und analysieren exemplarisch zwei Romane und mehrere Romanauszüge, in denen die Stadt Berlin im Zentrum steht. Lernziele sind die Erschließung von Wissen über Theorien der Urbanität und die literaturgeschichtliche Entwicklung der modernen Großstadtliteratur, sowie die Vertiefung von Kenntnissen der Erzähltheorie und der Praxis der Erzähltextanalyse.

 

Methoden und Lernziele

Wir werden exemplarisch zwei Berlin-Romane analysieren: Erich Kästners Fabian und Sven Regeners Herr Lehmann sowie kürzere Passagen aus Romanen wie Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, Irmgard Keuns Das kunstseidene Mädchen und Thomas Brussigs Am kürzeren Ende der Sonnenallee, in denen das literarische und literarisierte Berlin im Zentrum steht.

Wir werden verschiedenen Verfahren der Erzähltextanalyse anwenden. Im Mittelpunkt steht zum einen im Sinne der Foucaultschen Diskursanalyse die Frage nach der diskursiven Verflechtung der Großstadtliteratur mit soziologischen und psychologischen Diskursen. Zum anderen werden wir uns vor dem Hintergrund der Erzähltypologie Genettes mit intertextuellen Beziehungen zwischen den Romanen beschäftigen. Abschließend werden wir die gattungstheoretische Frage diskutieren, ob man vom Berlin-Roman als einem eigenen Genre sprechen kann.

 

Literatur

  • Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz: die Geschichte vom Franz Biberkopf. Zürich 1996 (1929).
  • Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten, Berlin 1976 (1931).
  • Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen, Hildesheim 1992 (1932).
  • Sven Regener: Herr Lehmann, Frankfurt a. M. 2001.
  • Thomas Brussig: Am kürzeren Ende der Sonnenallee, Berlin 1999.
  • Helmut Kuhn: Gehwegschäden, Frankfurt a. M. 2012

 

Sekundärliteratur

  • Matthias Bauer: Berlin. Medien- und Kulturgeschichte einer Hauptstadt im 20. Jahrhundert, Tübingen 2007.
  • Ralf Bohn und Reiner (Hg.): Inszenierung der Stadt. Urbanität als Ereignis, Bielefeld 2012.
  • Otto Keller: Döblins „Berlin Alexanderplatz“: die Großstadt im Spiegel ihrer Diskurse. Bern u. a. 1990.
  • Christoph Forderer: Die Großstadt im Roman. Berliner Großstadtdarstellungen zwischen Naturalismus und Moderne, Wiesbaden 1992.
  • Matthias Harder und Almut Hille: „Weltfabrik Berlin“. Eine Metropole als Sujet der Literatur, Würzburg 2006.
  • Thomas Steinfeld und Heidrun Suhr (Hg.): In der großen Stadt. Die Metropole als kulturtheoretische Kategorie. Frankfurt a. M. 1990.
  • Deborah Smail: White-collar workers, mass culture and Neue Sachlichkeit in Weimar Berlin. A reading of Hans Fallada’s Kleiner Mann – was nun?, Erich Kästner’s Fabian und Irmgard Keun’s Das kunstseidene Mädchen. Bern u. a. 1999.
  • Kerstin Barndt: Sentiment und Sachlichkeit: der Roman der neuen Frau in der Weimarer Republik. Köln 2003.