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Humboldt-Universität zu Berlin - bologna.lab - Neue Lehre. Neues Lernen

Narrating the City – Berlin-Romane des 20. und 21. Jahrhunderts

Unterrichtet von Dr. Mareen van Marwyck

Donnerstag, 12:00 - 14:00, Hausvogteiplatz 5-7, Raum 0323-26

Kurs findet auf Deutsch statt

Sprachliche Voraussetzungen: Deutsch B2

 

Kursbeschreibung

Die Stadt Berlin ist im 20. und 21. Jahrhundert immer wieder Sujet, „Protagonist“ und nicht zuletzt auch Produkt literarischer Fantasien, so dass sich mittlerweile in der Literaturkritik der Begriff „Berlin-Roman“ durchgesetzt hat, der einen eigenständigen Romantypus suggeriert.

Vor allem in den zwanziger Jahren, in der Nachwendeliteratur der neunziger Jahre sowie in der zeitgenössischen Literatur ist Berlin ein zentraler literarischer Topos. Im Roman als präferierter Form wird das Verhältnis von Individuum und Stadt ausgelotet und mit neuen urbanen Wahrnehmungsformen experimentiert. Dieses Seminar untersucht den Berlin-Roman und seine spezifischen Fragestellungen: die Großstadt als Lebensumfeld, Identität und als Zentrum der Moderne, vor dem Hintergrund der großen historischen Umbrüche und politischen Katastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts.

Wir werden exemplarisch zwei Berlin-Romane analysieren: Erich Kästners Fabian und Sven Regeners Herr Lehmann sowie kürzere Passagen aus Romanen wie Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, Irmgard Keuns Das kunstseidene Mädchen und Nellja Veremejs Berlin liegt im Osten in denen das literarische und literarisierte Berlin im Zentrum steht.

 

Methoden und Lernziele

„Narrating the City“ ist ein literaturwissenschaftliches Seminar. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern die Literarisierung der Großstadt im 20. und 21. Jahrhundert neue narrative Verfahren, neue Wahrnehmungsformen und Begriffe von Subjektivität hervorbringt und inwiefern diese als spezifisch modern bzw. postmodern zu betrachten sind. Hierfür setzen wir uns mit theoretischen Texten zu den Themen Urbanität und Moderne auseinander und analysieren exemplarisch zwei Romane und mehrere Romanauszüge, in denen die Stadt Berlin im Zentrum steht.

Wir werden verschiedene literaturwissenschaftliche Methoden anwenden. Im Mittelpunkt steht zum einen im Sinne der Foucaultschen Diskursanalyse die Frage nach der diskursiven Verflechtung der Großstadtliteratur mit soziologischen und psychologischen Diskursen. Zum anderen werden wir uns vor dem Hintergrund der Erzähltheorie Genettes mit der narrativen Struktur der Romane und den intertextuellen Beziehungen zwischen den Romanen beschäftigen. Abschließend werden wir die gattungstheoretische Frage diskutieren, ob man vom Berlin-Roman als einem eigenen Genre sprechen kann.

Lernziele sind die Erschließung von Wissen über Theorien der Urbanität und die literaturgeschichtliche Entwicklung der modernen Großstadtliteratur, sowie die Vertiefung von Kenntnissen der Erzähltheorie und der Praxis der Erzähltextanalyse.

 

Biographie

Dr. Mareen van Marwyck, geb. 1976, Literaturwissenschaftlerin und Autorin, arbeitete bis 2012 als Lektorin der Frankfurter Verlagsanstalt. 2009-2010 lehrte und forschte sie im Rahmen eines Erasmus-Mundus-Stipendiums an der University of Pune in Indien. – Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Literatur und Ästhetik des 18. Jahrhunderts, Gender Studies, Heroismus- und Gewaltforschung. Publikation u. a.: Gewalt und Anmut. Weiblicher Heroismus in der Literatur und Ästhetik um 1800. Bielefeld 2010, Herausgeberschaft gemeinsam mit Nikolas Immer: Ästhetischer Heroismus. Konzeptionelle und figurative Paradigmen des Helden. Bielefeld 2013. Zahlreiche publizistische Veröffentlichungen u. a. in der FAS, der Berliner Zeitung und der WAZ. Derzeitiges Forschungsprojekt: Schicksal und Kontingenz. Episteme des Erzählens in der Moderne.

 

Literatur

  • Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten, Berlin 1976 (1931).
  • Sven Regener: Herr Lehmann, Frankfurt a. M. 2001.
  • Susanne Ledanff: Hauptstadtphantasien. Berliner Stadtlektüren in der Gegenwartsliteratur 1989-2008. Bielefeld 2009.

  • Klaus R. Scherpe (Hg.): Die Unwirklichkeit der Städte. Großstadtdarstellungen zwischen Moderne und Postmoderne. Reinbek bei Hamburg 1988.

  • Matthias Harder und Almut Hille: „Weltfabrik Berlin“. Eine Metropole als Sujet der Literatur, Würzburg 2006.